1976 gründete Rolf Widmer den Verein Heilpädagogischer Grossfamilien und Kleingruppenschulen. 50 Jahre später heisst er tipiti und ist auf Kinder spezialisiert, deren Chancen klein sind, zurück zu ihren Familien zu können oder die eine individuelle schulische Förderung benötigen.
Rolf Widmer, was genau macht tipiti?
Rolf Widmer: tipiti ist eine Art Netzwerk von Betreuungsangeboten für Kinder und Jugendlichen, die nicht in ihrer Herkunftsfamilie aufwachsen, und Förderprogrammen, damit Kinder weiterhin in ihren Familien leben können. Unsere Angebote sind: 1. begleitete Langzeitpflegefamilien, wo wir alle Beteiligten prozesshaft während des ganzen Aufenthaltes unterstützen und begleiten, 2. Übergangspflegefamilien für Neugeborene und Kleinkinder, und 3. sind dies Verwandtschafts- und Netzwerkpflegefamilien. Daneben führt tipiti Tagesschulen für Kinder und Jugendliche mit besonderen Lernbedürfnissen, unterstützt und fördert unbegleitete minderjährige Flüchtlinge auf dem Weg in ein selbständiges Leben und seit 2022 haben wir aufgrund des Krieges in der Ukraine Voll- und Halbwaisen in acht Pflegekindergrossfamilien aus der Ukraine aufgenommen. Zudem führen wir in einem Bundesasylzentrum eine Schule für neu ankommende Kinder und Jugendliche. Gesamthaft begleiten wir circa 350 Kinder und Jugendliche. Ausserdem baute tipiti ein heute sehr geschätztes Weiterbildungsangebot auf.
Wie kam es denn dazu, dass Sie vor 50 Jahren den Verein Heilpädagogischer Grossfamilien und Kleingruppenschulen, wie tipiti erst hiess, gegründet haben?
Ich war pädagogischer und administrativer Leiter der Kinderpsychiatrischen Klinik in Gan-terschwil. Einige der Kinder mussten nach dem Klinikaufenthalt langfristig ausserhalb der eigenen Familie platziert werden. Wenn man zum Schluss kam, dass ein Kind langfristig oder vorübergehend nicht in seine Familie wird zurückkehren können, kam die Standardfrage: In welcher Einrichtung bestehen freie Plätze? Doch mir schien diese Frage falsch gestellt, und ich setzte mich dafür ein, dass sie anders gestellt wird: Was braucht dieses Kind jetzt? Und welche Umgebung ermöglicht ihm die bestmögliche Entwicklung? Dadurch verschob sich die Logik der Platzierung: Nicht das bestehende Angebot sollte bestimmen, was möglich war, sondern das Kind selbst. Seine Geschichte, seine Bedürfnisse, seine Stärken, seine Verletzlichkeiten. Ich initiierte, dass wir zuerst den geeigneten Lebensraum suchen und erst dann dem Kind eine ihm angepasste Förderung ermöglichen. Dies war ein Paradigmenwechsel im Vorgehen der Indikationsstellung der Fremdplatzierung.
Wie meinen Sie das?
Die Vision war, Lebensräume zu schaffen, die Kindern ein Aufwachsen in einem familiären Umfeld ermöglichen und ihnen verlässliche Beziehungen bieten – insbesondere dort, wo die eigene Familie dies nicht leisten kann. Erkenntnisse aus einer Resilienzstudie, an der ich beteiligt war, bestätigen diesen Ansatz deutlich: Kinder, die belastende Brüche in ihrer Biografie gut bewältigen, verdanken dies in erster Linie tragfähigen Beziehungserfahrungen. Es war für mich entscheidend, Kindern stabile und verlässliche Beziehungen zu ermöglichen. Vor diesem Hintergrund begannen wir mit dem Aufbau heilpädagogischer Grossfamilien, die jeweils vier bis fünf Pflegekinder aufnahmen. In der praktischen Umsetzung zeigte sich, dass dieser Ansatz komplexer war als zunächst angenommen.

Langzeitpflegefamilie von tipiti.
Warum?
Die Kinder aus der genannten Resilienzstudie hatten zwar einen gravierenden Verlust erlitten, waren jedoch bis dahin in einem stabilen und geborgenen familiären Umfeld aufgewachsen. Demgegenüber standen wir in der Pflegekinderarbeit häufig vor einer deutlich komplexeren Ausgangslage: Viele der Kinder hatten bereits vor oder kurz nach der Geburt belastende Bedingungen erlebt, die letztlich zu einer ausserfamiliären Unterbringung geführt hatten. Unsere Erfahrungen zeigten, dass insbesondere Kinder mit frühen Belastungen – wie Bindungsabbrüchen, physischen oder psychischen Vernachlässigungserfahrungen – deutlich mehr Zeit und Unterstützung benötigen, um traumatische Erlebnisse zu verarbeiten. Ihre Integration in ein neues Umfeld verläuft oft anspruchsvoller und erfordert in vielen Fällen ergänzende therapeutische und psychosoziale Angebote.
Als Ihnen auffiel, dass der Entwicklungsverlauf bei den Kindern aus der Resilienzstudie anders ist als bei Ihren Pflegekindern, haben Sie dann Anpassungen vorgenommen?
In gewisser Weise bestätigten sich unsere Annahmen, gleichzeitig wurde deutlich, dass es kein allgemeingültiges Rezept gibt. Zeitweise standen sich in der Fachwelt unterschiedliche Ansätze gegenüber. Die einen setzten primär auf Pflegefamilien, die anderen auf institutionelle Lösungen. Wir zogen daraus die Konsequenz, differenzierter und zurückhaltender vor-zugehen und den Blick konsequent auf die individuellen Bedürfnisse des einzelnen Kindes zu richten. Entscheidend war nicht die Methode, sondern die Frage: Was braucht dieses Kind konkret? Im weiteren Verlauf fokussierten wir uns zunehmend auf Kinder und Jugendliche, bei denen die Perspektive einer Rückkehr in die Herkunftsfamilie gering ist. Gleichzeitig wurde uns bewusst, dass eine nachhaltige Entwicklung nur möglich ist, wenn wir die Biografie des Kindes sowie seine Ursprungsbeziehungen noch konsequenter einbeziehen und professionell unterstützen.
Worauf sind Sie nach 50 Jahren tipiti besonders stolz?
Was uns gelungen ist, besteht nicht darin, dass alle Kinder später ein einfaches oder gar sorgenfreies Leben führen. So ehrlich müssen wir sein: Viele von ihnen haben weiterhin anspruchsvolle Wege zu bewältigen. Und doch gibt es einen Unterschied, der uns wichtig erscheint. Die jungen Menschen sind auf diesem Weg nicht allein geblieben. Ich vergleiche das manchmal mit dem Seiltanz im Zirkus: Nicht alle Bewegungen gelingen perfekt, und gelegentlich gerät man ins Wanken. Entscheidend ist, dass ein tragfähiges Netz da ist, das auffängt. tipiti ist für viele zu einem solchen Netz geworden. Viele der jungen Erwachsenen gestalten ihr Leben heute eigenständig und unabhängig von sozialen Institutionen. Gleichzeitig bestehen bei der Mehrheit weiterhin verlässliche Beziehungen – insbesondere zu ihren Pflegeeltern, oft über viele Jahre hinweg. Vielleicht ist genau das unser bescheidener Erfolg: nicht die perfekte Lebensgeschichte, sondern tragfähige Beziehungen, die bleiben.
Wie hat sich tipiti in den 50 Jahren entwickelt?
Zu Beginn war mir ein zentrales Anliegen, dass eine einzelne Familie diese Aufgabe nicht im Alleingang übernimmt. Wir haben deshalb bewusst kleine regionale Verbünde von jeweils drei bis vier Pflegefamilien aufgebaut, die gemeinsam für die Kinder Verantwortung übernahmen. Jede dieser Familien lebte ihr eigenes Familienleben mit vier bis fünf Pflegekindern und eigenen Kindern. Die Kinder besuchten mehrheitlich unsere Individualschule. Gemeinsam mit den Lehrpersonen bildeten die drei bis vier Familien ein tragfähiges Team, in dem sowohl fachliche wie auch persönliche Fragen regelmässig und bewusst auch ausserhalb des eige-nen Familiensystems reflektiert und bearbeitet wurden. Diese Struktur erwies sich nicht nur für die Qualität der Betreuung als entscheidend, sondern schuf auch die Grundlage für weiter-führende Angebote. Der Verein entstand ursprünglich, um für die Kinder aus der Klinik in Ganterschwil eine passende Anschlusslösung – auch für Kinder mit besonderen Sonder-schulbedürfnissen – zu schaffen. Umso bemerkenswerter war die Entwicklung: Rund 80 Prozent der Kinder, die in unserer Sonderschule gefördert wurden, konnten nach drei, vier Jahren in die Regelschule überwechseln. Diese Erfahrung hat unsere Überzeugung gestärkt, dass emotionale Sicherheit eine zentrale Voraussetzung für kognitive und schulische Entwicklung ist.
Das Modell der heilpädagogischen Grossfamilien (HPG) prägte Ihre Arbeit während der ersten zwanzig Jahre. Es verband familiäre Nähe mit professioneller Zusammen-arbeit im Team; eine Kombination, die es ermöglichte, den komplexen Bedürfnissen der Kinder differenziert und nachhaltig zu begegnen. Was passierte dann?
Mit der Zeit veränderte sich die Dynamik innerhalb der Teams. Der anfängliche Pioniergeist wich teilweise einer stärker dienstleistungsorientierten Haltung. Fragen, die früher selbstverständlich im gemeinsamen Engagement getragen wurden, wurden zunehmend formalisiert, etwa in Diskussionen über Zuständigkeiten oder die Ausgestaltung der Betreuung an Wochenenden. Da spürte ich, dass das Model der HPG seinen Visionen nicht mehr gerecht wurde.
In dieser Zeit waren Sie hauptberuflich als Leiter der Asyl-Organisation Zürich tätig.
Ja. Anfang der 1990er-Jahre kamen die ersten unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden in grösserer Zahl in die Schweiz. Eine Situation, auf die wir strukturell und konzeptionell nicht vorbereitet waren. Für mich war jedoch früh klar, dass diese Kinder nicht einfach in Durchgangszentren untergebracht werden durften. Wir suchten deshalb nach alternativen Lösungen. Mit tipiti entstand eine Zusammenarbeit, wonach alle Kinder unter 14 Jahren in Pflegefamilien aufgenommen wurden. Aus dieser Praxis entwickelte sich das Modell der begleiteten Pflegefamilie. Angesichts der unklaren Aufenthaltsdauer war es uns wichtig, nahe bei den Kindern zu bleiben, sie kontinuierlich fachlich zu begleiten und ihre Entwicklung auch unter unsicheren Rahmenbedingungen zu stabilisieren. Dieses Grundprinzip hat sich über die Jahre bewährt und wurde immer wieder an neue Kontexte angepasst – seit 2022 auch im Rahmen der Aufnahme von Kindern aus der Ukraine.
Und das wurde zum neuen Modell für tipiti?
In dieser Zeit wurde mir klar, dass das Modell der begleiteten Pflegefamilie für zivilgesellschaftlich engagierte Familien tragfähig ist: Ein einzelnes Kind aufzunehmen und in die eigene Familie zu integrieren, erwies sich als wesentlich weniger belastend als das frühere Modell der heilpädagogischen Grossfamilie. Damit einhergehend, veränderte sich auch unsere Rolle grundlegend. Wir verlagerten den Schwerpunkt auf die gezielte Rekrutierung, sorgfältige Selektion, angepasste Ausbildung und Begleitung von Pflegeeltern und Pflegekindern. Ergänzend förderten wir aktiv die Vernetzung der Pflegefamilien untereinander, um gegenseitige Unterstützung und Qualität in der Betreuung langfristig zu sichern.

Familientag bei tipiti.
Ihr Engagement in diesem Bereich entwickelte sich schrittweise aus einer persönlichen und fachlichen Auseinandersetzung.
Leitend war dabei früh eine einfache, aber für mich zentrale Überzeugung: Kinder sollten nicht verwaltet, sondern gesehen und gehört werden. Während meines Ökonomiestudiums in Paris engagierte ich mich ehrenamtlich in einer NGO und kam dort erstmals intensiv mit sozialen Unterschieden in Kontakt. Diese Erfahrungen führten dazu, dass ich meinen ursprünglich geplanten beruflichen Weg im wirtschaftlichen Bereich zugunsten eines Engagements in der sozialen Arbeit neu ausrichtete. Prägend war dabei sicher auch meine eigene Biografie. Mein Vater verstarb kurz nach meiner Geburt, und die Beziehung zu meiner Mutter war von einer frühen Trennung geprägt. Die Betreuung übernahm weitgehend eine von meinen Grosseltern angestellte Nurse. Diese Erfahrungen haben mein Verständnis für die Bedeutung von verlässlichen Bezugspersonen wesentlich beeinflusst. Im Rahmen von Praktika in sozialpädagogischen Einrichtungen wurde mir zudem deutlich, wie viele unterschiedliche Bezugspersonen oft gleichzeitig für ein Kind zuständig sind. Für die Kinder bedeutete dies wiederholte Wechsel der Bezugspersonen und die ständige Notwendigkeit, sich neu anzu-passen. Daraus entstand für mich eine zentrale fachliche Frage: Wie können Fachpersonen für Kinder da sein – und nicht nur um sie herum organisiert arbeiten?
Zu welchem Schluss kamen Sie?
Diese Beobachtungen haben meine Überzeugung gestärkt, dass Kinder vor allem eines brauchen: konstante Beziehungen und ein möglichst natürliches, verlässliches Lebensumfeld. Meine Vision: Jedes Kind braucht jemanden, der oder die ihm nahesteht!
Welche weiteren Veränderungen haben Sie in den 50 Jahren beobachtet?
Das Sonderschulwesen hat sich im Laufe der Jahre deutlich weiterentwickelt. Insbesondere in den 1980er- und 1990er-Jahren eröffneten sich in den öffentlichen Sonderschulen zunehmend bessere Möglichkeiten, sodass wir unsere eigenen schulischen Angebote grundsätzlich hätten auflösen können. Im weiteren Verlauf wurde jedoch deutlich, dass viele Kinder in Sonderschulheimen lebten, obwohl sie nicht zwingend auf eine stationäre Unterbringung angewiesen waren. Häufig lag der Grund vielmehr darin, dass geeignete schulische Angebote zu weit vom familiären Umfeld entfernt waren. Vor diesem Hintergrund entschieden wir uns, unsere Schulen weiterzuentwickeln und in Tagessonderschulen mit intensiver Familienbegleitung zu überführen. Heute betreiben wir vier solche Einrichtungen und planen den Aufbau einer weiteren.
Haben Sie immer genügend Pflegefamilien?
Die Rekrutierung von Pflegefamilien ist eine Daueraufgabe und gestaltet sich mitunter
anspruchsvoll. Dies hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass wir bewusst hohe fachliche und persönliche Anforderungen stellen, um den Bedürfnissen der uns anvertrauten Kinder bestmöglich gerecht zu werden. Leider ist es nicht möglich, für jedes Kind die passende Pflegefamilie zu finden, und so kommt es auch heute sehr oft vor, dass man ein Kind dorthin platziert, wo es einen freien Platz gibt, auch wenn diese Plätze den Entwicklungs- und Beziehungsbedürfnissen des Kindes nicht immer gerecht werden.
In diesem halben Jahrhundert haben sich ja auch die rechtlichen Rahmenbedingungen verändert. Haben Kinder heute andere Bedürfnisse als damals?
Ich würde sagen, das Grundanliegen ist das gleiche geblieben. Das Kind braucht Sicherheit, einen Ort, wo es ermutigt wird. Das ist universell und das bleibt. Es hat Verbesserungen gegeben.
Wenn Sie in die Zukunft schauen: Was haben wir noch zu tun, damit Kinder gesund aufwachsen können?
Die Schwierigkeit ist, dass wir heute in einer gesellschaftlichen Phase sind, in der wir nicht wissen, worauf wir die Kinder vorbreiten sollen. Darum gibt es nur den Weg, ein Kind zu stärken, damit es mit den Unsicherheiten, die unsere Gesellschaft mit sich bringt, leben kann. Gerade die Arbeitswelt wird sich stark verändern. Deshalb ist es wichtig, dass wir den Kindern beibringen, ihren Selbstwert nicht nur aus der Arbeit, sondern aus allen Dingen, die ihm Freude machen und wo es Erfolgserlebnisse hat, zu fördern. Wir legen deshalb bei tipiti grossen Wert darauf, dass jedes Kind ein Hobby hat.
Braucht es in der Schweiz auf politischer Ebene noch Entwicklungen?
Die anstehende Revision der Pflegekinderverordnung PAVO bietet die Chance, zentrale Qualitätsmerkmale der ausserfamiliären Betreuung nachhaltig zu stärken. Aus meiner fachlichen Sicht stehen dabei folgende Punkte im Vordergrund:
- Es braucht eine verbindliche, qualifizierte und prozesshafte Begleitung jeder Pflegefamilie und jedes Pflegekindes über die gesamte Dauer der Platzierung. Diese Aufgabe soll durch spezialisierte Fachstellen wahrgenommen werden, die Kontinuität, Beziehungssicherheit und fachliche Reflexion gewährleisten.
- Es ist sicherzustellen, dass Fachstellen und Pflegefamilien bei wesentlichen Entscheidungen, welche das Pflegekind betreffen, systematisch angehört und beratend einbezogen werden. Ihre Nähe zum Alltag des Kindes macht ihre Einschätzung unverzichtbar.
- Es bedarf eines gemeinsamen fachlichen Verständnisses darüber, was eine prozesshafte Begleitung beinhaltet, welche Qualitätsanforderungen gelten und wie Pflegeeltern sorgfältig auf ihre anspruchsvolle Aufgabe vorbereitet und kontinuierlich unterstützt werden.
- Pflegefamilien und Fachstellen sollen angemessene Möglichkeiten bei der Ausgestaltung der Kontakte zu den Herkunftsfamilien erhalten, um tragfähige und kindeswohlorientierte Lösungen zu entwickeln, dabei ist es wichtig, dass das Kind mitbestimmen kann, wie die Kontakte mit der Herkunftsfamilie gestaltet werden beziehungsweise, dass bei Kleinkindern bei Bedarf gewährleistet wird, dass ihre Bedürfnisse gesehen und vertreten werden.
- Es ist eine klare und kohärente Finanzierungsregelung zwischen Kanton und Gemeinden notwendig. Die Wahl des Platzierungsortes darf sich nicht nach finanziellen Zuständigkeiten richten, sondern ausschliesslich nach den Entwicklungs- und Betreuungsbedürfnissen des Kindes.
Schliesslich gilt es zu betonen, dass Heime und Pflegefamilien keine konkurrierenden Systeme, sondern komplementäre Angebote sind. Sie bieten differenzierte Antworten auf unterschiedliche Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen. In diesem Sinne ist auch das Engagement der Zivilgesellschaft gezielt aufzuwerten. Pflegeeltern übernehmen einen anspruchsvollen sozialen Auftrag und benötigen – ebenso wie Fachpersonen in Institutionen – eine verlässliche fachliche Begleitung und Anerkennung. Eine solche Ausrichtung stärkt nicht nur die Qualität der Betreuung, sondern setzt konsequent beim zentralen Leitgedanken an: Was braucht das Kind – und was braucht sein Umfeld, damit Entwicklung gelingen kann?
Jetzt feiert tipiti Geburtstag.
Ja, diese Feier ist für alle, man sollte sich aber anmelden. Das Fest steigt am Samstag, 6. Juni 2026, und beginnt um 10 Uhr. Mehr Infos dazu gibt es auf unserer Webseite.
INFO: Rolf Widmer
Der Basler Rolf Widmer wurde 1950 geboren und studierte Nationalökonomie und Sozial-arbeit. Berufliche Stationen waren unter anderem:
– 1976–2025 Geschäftsleitung Verein tipiti (nebenberuflich begleitet)
– 2000–2020 Direktor der Schweizerischen Stiftung des Internationalen Sozialdienstes
– 2000–2014: Leiter Schweizer Fachstelle für Adoption
– 1989–2000: Leiter Asyl-Organisation Kanton Zürich
– 1985–1989 Leiter Sonderschulheim Fischingen
– 1983–1986 Diverse Mandate im Libanon und im Irak im Bereiche Heimkinder und
Kindersoldaten
-1982–1984: Co-Leitung Kinderdorf Pestalozzi Trogen
-1975–1982 Leiter Klinik Sonnenhof Ganterschwil
Rolf Widmer ist mit Marie Françoise d’Anglemont de Tassigny verheiratet und lebt in Nyon. Das Paar hat vier erwachsene Kinder, drei Pflegesöhne aus dem Libanon und zusammen fünfzehn Grosskinder.


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